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Tinnitus: Ursachen, Symptome & Behandlung
Bei Tinnitus hören Betroffene Geräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Brummen, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Häufig liegt die Ursache im Innenohr – etwa nach Lärm oder einem Hörsturz. Oft spielen aber auch Kiefer und Nacken eine Rolle. In diesen Fällen kann gezielte Physiotherapie die Ohrgeräusche deutlich lindern.
Das Wichtigste in Kürze
- Tinnitus bezeichnet Ohrgeräusche ohne äußere Schallquelle.
- Häufige Ursachen sind Lärmschäden, ein Hörsturz oder altersbedingte Schwerhörigkeit.
- Auch Verspannungen in Kiefer und Nacken können Tinnitus auslösen oder verstärken (somatosensorischer Tinnitus).
- Am Anfang steht immer eine HNO-ärztliche Abklärung.
- Sind Kiefer oder Nacken beteiligt, ist Physiotherapie eine wirksame Behandlung.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom. Die Geräusche entstehen im Hörsystem oder im Gehirn selbst und werden nur von den Betroffenen wahrgenommen. Bestehen sie länger als drei Monate, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Wie belastend er ist, ist sehr unterschiedlich – von kaum bemerkbar bis stark beeinträchtigend.
Formen von Tinnitus
Subjektiver und objektiver Tinnitus
Beim weitaus häufigeren subjektiven Tinnitus hört nur die betroffene Person das Geräusch. Beim seltenen objektiven Tinnitus gibt es eine tatsächliche Schallquelle im Körper, etwa durch Blutgefäße oder Muskelzuckungen.
Somatosensorischer Tinnitus
Bei dieser Form beeinflussen Kiefer, Kaumuskulatur oder Halswirbelsäule die Ohrgeräusche. Typisch ist, dass sich der Tinnitus durch Kieferbewegungen, Kopfbewegungen oder Druck auf bestimmte Muskeln verändert. Diese Form spricht besonders gut auf Physiotherapie an.
Ursachen von Tinnitus
- Lärmschäden, z. B. nach Konzerten oder durch Lärm am Arbeitsplatz
- Hörsturz und altersbedingte Schwerhörigkeit
- Erkrankungen von Mittel- oder Innenohr sowie Ohrenschmalzpfropfen
- Kieferprobleme: eine CMD, Zähneknirschen oder Pressen – siehe auch Kiefergelenkschmerzen
- Verspannungen der Halswirbelsäule – siehe Nackenschmerzen
- Stress und psychische Belastung
- Medikamente, die das Gehör beeinträchtigen können
Symptome & Begleitbeschwerden
- Pfeifen, Rauschen, Summen oder Brummen in einem oder beiden Ohren
- Schwankende Lautstärke, oft stärker in ruhiger Umgebung
- Veränderung der Geräusche bei Kiefer- oder Kopfbewegungen
- Kiefer-, Nacken- oder Kopfschmerzen
- Druckgefühl im Ohr oder Schwindel
- Ein- und Durchschlafstörungen sowie Konzentrationsprobleme
Wann sollte Tinnitus abgeklärt werden?
Jeder neu aufgetretene Tinnitus sollte HNO-ärztlich abgeklärt werden. Rasch – am besten noch am selben Tag – sollte die Abklärung erfolgen, wenn der Tinnitus plötzlich zusammen mit einer Hörminderung, Schwindel oder einem Druckgefühl im Ohr auftritt. Auch ein einseitiger, pulsierender Tinnitus sollte zeitnah untersucht werden.
Wie erfolgt die Diagnose?
Die HNO-ärztliche Untersuchung umfasst eine Untersuchung der Ohren und einen Hörtest. Ergibt sich der Verdacht, dass Kiefer oder Nacken beteiligt sind, folgt eine physiotherapeutische Funktionsuntersuchung von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Halswirbelsäule. Dabei wird geprüft, ob sich der Tinnitus durch bestimmte Bewegungen oder Druck verändert.
Behandlung von Tinnitus
HNO-ärztliche Behandlung
Je nach Ursache werden Ohrenerkrankungen behandelt, ein Hörsturz therapiert oder ein Hörgerät angepasst. Bei chronischem Tinnitus kommen zusätzlich Geräuschgeneratoren und Verfahren zur Gewöhnung infrage.
Physiotherapie bei somatosensorischem Tinnitus
- Behandlung des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur
- Manuelle Therapie der Halswirbelsäule
- Lösen von Triggerpunkten in Kau-, Nacken- und Schultermuskulatur
- Haltungsschulung und Entspannungstechniken
Weitere Behandlungen
Bei chronischem Tinnitus helfen Verfahren zur Gewöhnung, Entspannungstechniken und eine psychologische Begleitung, die Belastung zu verringern. Bei Zähneknirschen kann zusätzlich eine zahnärztlich angepasste Aufbissschiene sinnvoll sein.
Tinnitus – was tun?
- Völlige Stille meiden: leise Hintergrundgeräusche lenken vom Tinnitus ab
- Ohren schützen bei Lärm
- Kiefer entspannen: Zähne in Ruhe nicht aufeinanderpressen
- Nacken lockern und regelmäßige Pausen am Bildschirm
- Stress reduzieren, z. B. durch Bewegung und Entspannungsübungen
Übungen bei Tinnitus
Die folgenden Übungen lösen Verspannungen in Kiefer und Nacken und eignen sich besonders, wenn sich der Tinnitus bei Kiefer- oder Kopfbewegungen verändert.
Kinn-Rückzug (Chin Tuck)
Aufrecht sitzen, Blick geradeaus. Das Kinn waagrecht nach hinten schieben, 5 Sekunden halten und lösen. 10 Wiederholungen – entlastet die obere Halswirbelsäule.
Kontrollierte Mundöffnung
Die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen an den Gaumen legen und den Mund langsam öffnen und schließen. 10 Wiederholungen – entspannt die Kaumuskulatur.
Seitliche Nackendehnung
Den Kopf sanft zur Seite neigen, die gegenüberliegende Schulter bleibt locker unten. 20–30 Sekunden halten, Seite wechseln – löst Verspannungen im Nacken.
Fazit
Tinnitus hat viele mögliche Ursachen. Nach der HNO-ärztlichen Abklärung lohnt sich ein genauer Blick auf Kiefer und Nacken: Sind sie beteiligt, kann gezielte Physiotherapie die Ohrgeräusche lindern und begleitende Beschwerden wie Kiefer- oder Nackenschmerzen reduzieren.
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Häufig gestellte Fragen
Ja. Verspannungen und Funktionsstörungen der Halswirbelsäule können Ohrgeräusche auslösen oder verstärken. Man spricht dann von einem somatosensorischen Tinnitus.
Ja. Eine craniomandibuläre Dysfunktion, Zähneknirschen oder Pressen können Tinnitus beeinflussen, da Kiefergelenk und Ohr eng benachbart sind.
Ein akuter Tinnitus verschwindet häufig von selbst oder mit Behandlung. Ein chronischer Tinnitus bleibt oft bestehen, wird aber mit der richtigen Therapie meist deutlich weniger belastend.
Häufig verstärken ihn Stress, Lärm, Schlafmangel sowie Verspannungen in Kiefer und Nacken. Auch völlige Stille lässt ihn lauter erscheinen.
Erste Anlaufstelle ist eine HNO-Ärztin oder ein:e HNO-Ärzt:in. Sind Kiefer oder Nacken beteiligt, ergänzen Zahnmedizin und Physiotherapie die Behandlung.
Ja, besonders wenn sich der Tinnitus durch Kiefer- oder Kopfbewegungen verändert. Dann kann die Behandlung von Kiefer und Halswirbelsäule die Ohrgeräusche deutlich lindern.
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