Nervenschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Nervenschmerzen fühlen sich anders an als ein verstauchter Knöchel oder ein verspannter Nacken. Sie brennen, stechen, kribbeln oder schießen wie ein Stromschlag durch den Körper – oft ohne erkennbare Verletzung an der schmerzenden Stelle. Der Grund: Bei Nervenschmerzen, medizinisch neuropathischen Schmerzen, ist nicht das Gewebe verletzt, sondern das Nervensystem selbst. Geschädigte oder gereizte Nerven senden Schmerzsignale, obwohl kein akuter Auslöser vorliegt.

Genau dieser Unterschied ist entscheidend: Klassische Schmerzmittel wirken bei Nervenschmerzen häufig nur eingeschränkt, und die passende Behandlung hängt davon ab, welche Ursache dahintersteckt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich Nervenschmerzen äußern, welche Ursachen infrage kommen, was bei Nervenschmerzen in Beinen und Rücken helfen kann und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze!

  • Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) entstehen durch geschädigte oder gereizte Nerven – nicht durch eine Verletzung des Gewebes.

  • Typische Symptome sind Brennen, Stechen, Kribbeln, elektrisierende Schmerzen und Taubheitsgefühle.

  • Häufige Ursachen sind Diabetes (Polyneuropathie), eingeklemmte Nerven, Bandscheibenvorfälle, Gürtelrose, Verletzungen und neurologische Erkrankungen.

  • Übliche rezeptfreie Schmerzmittel helfen bei echten Nervenschmerzen oft nicht ausreichend.

  • Hausmittel können den Alltag erleichtern, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.

  • Neu auftretende, anhaltende oder zunehmende Nervenschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden – vor allem bei Taubheit, Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen.

Inhaltsverzeichnis

Wie fühlen sich Nervenschmerzen an?

Viele Betroffene beschreiben Nervenschmerzen als „anders“ als alles, was sie bisher kannten. Die Nervenschmerzen-Symptome sind vielfältig und können einzeln oder kombiniert auftreten:

  • Brennende Schmerzen, die dauerhaft bestehen oder in Wellen kommen
  • Stechende oder einschießende Schmerzen, oft wie ein Stromschlag
  • Kribbeln oder Ameisenlaufen, meist in Händen, Füßen oder Beinen
  • Taubheitsgefühle oder ein „pelziges“ Gefühl auf der Haut
  • Überempfindlichkeit: Schon leichte Berührungen werden als schmerzhaft empfunden
  • Temperaturempfindungen, die verändert sind – etwa Kältegefühl trotz warmer Haut

Charakteristisch ist auch, dass die Schmerzen häufig in Ruhe oder nachts stärker werden und nicht unbedingt dort auftreten, wo der Nerv geschädigt ist. Ein gereizter Nerv im Rücken kann zum Beispiel Schmerzen bis in den Fuß verursachen.

Welche Ursachen können Nervenschmerzen haben?

Nervenschmerzen sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Dahinter steht immer eine Schädigung oder Reizung von Nerven – im Gehirn, im Rückenmark oder in den peripheren Nerven, die Arme, Beine und Organe versorgen. Die Ursachen reichen von Stoffwechselerkrankungen über mechanische Einengungen bis hin zu Infektionen und neurologischen Erkrankungen.

Diabetes und Polyneuropathie

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können die feinen Nervenfasern schädigen, vor allem in Füßen und Unterschenkeln. Diese diabetische Polyneuropathie ist eine der häufigsten Ursachen für Nervenschmerzen und beginnt meist mit Kribbeln, Brennen oder Taubheit an beiden Füßen. Eine Polyneuropathie kann aber auch andere Auslöser haben, etwa Alkoholkonsum, Vitamin-B12-Mangel, bestimmte Medikamente wie Chemotherapeutika oder Nierenerkrankungen.

Eingeklemmte oder gereizte Nerven

Nerven verlaufen an vielen Stellen des Körpers durch enge Kanäle. Wird ein Nerv dort durch Druck eingeengt, kann er gereizt oder geschädigt werden. Bekannte Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk oder das Piriformis-Syndrom, bei dem der Ischiasnerv im Gesäßbereich unter Druck gerät. Typisch sind Schmerzen, Kribbeln und Taubheit im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs.

Bandscheibenvorfall und Erkrankungen der Wirbelsäule

Tritt Bandscheibengewebe aus und drückt auf eine Nervenwurzel, entstehen oft ausstrahlende Nervenschmerzen – etwa vom unteren Rücken bis ins Bein (Ischialgie) oder vom Nacken in den Arm. Auch Verschleißerscheinungen wie eine Spinalkanalstenose, Wirbelgleiten oder knöcherne Anbauten an den Wirbelgelenken können Nervenwurzeln einengen.

Gürtelrose und andere Infektionen

Bei einer Gürtelrose (Herpes Zoster) werden Nerven durch das reaktivierte Windpocken-Virus entzündet. Auch nach dem Abheilen des Hautausschlags können brennende Nervenschmerzen bestehen bleiben – die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie. Auch andere Infektionen, etwa Borreliose oder HIV, können Nerven schädigen.

Verletzungen und Operationen

Bei Unfällen, Knochenbrüchen oder Schnittverletzungen können Nerven direkt verletzt werden. Auch nach Operationen entstehen mitunter Nervenschmerzen, wenn Nervenfasern durchtrennt oder durch Narbengewebe gereizt werden. Ein Sonderfall ist der Phantomschmerz nach einer Amputation.

Neurologische und weitere Erkrankungen

Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose, ein Schlaganfall oder Morbus Parkinson können ebenfalls Nervenschmerzen auslösen. Auch die Trigeminusneuralgie – blitzartige Schmerzattacken im Gesicht – gehört zu den neuropathischen Schmerzen. Seltener stecken Tumore, Autoimmunerkrankungen oder Schilddrüsenfunktionsstörungen dahinter.

Nervenschmerzen in den Beinen: Was kann dahinterstecken?

Nervenschmerzen in den Beinen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Betroffene ärztliche Hilfe suchen. Die Beine sind besonders anfällig, weil ihre Nerven lang sind und auf dem Weg vom Rückenmark bis in die Zehen an vielen Stellen gereizt oder geschädigt werden können.

Die häufigsten Ursachen für Nervenschmerzen in Beinen und Füßen:

  • Polyneuropathie: Meist beidseitig, beginnt an Zehen und Fußsohlen und breitet sich langsam nach oben aus („strumpfförmig“). Häufig bei Diabetes.

  • Ischialgie: Einseitige, ausstrahlende Schmerzen vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis in den Unterschenkel oder Fuß, meist durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Nervenwurzelreizung in der Lendenwirbelsäule.

  • Spinalkanalstenose: Schmerzen und Schweregefühl in beiden Beinen beim Gehen, die sich im Sitzen oder beim Vorbeugen bessern.

  • Engpasssyndrome: Etwa das Tarsaltunnelsyndrom am Innenknöchel oder die Meralgia paraesthetica, bei der ein Hautnerv an der Leiste eingeengt wird und ein Brennen an der Außenseite des Oberschenkels verursacht.

  • Restless-Legs-Syndrom: Unruhige Beine mit Kribbeln und Bewegungsdrang, vor allem abends und nachts.

Achten Sie auf Begleitsymptome: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder ein Muskelschwächegefühl im Bein weisen darauf hin, dass ein Nerv in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Werden die Beine kraftlos, stolpern Sie häufiger oder fühlt sich der Boden unter den Füßen „wattig“ an, sollte das zeitnah neurologisch abgeklärt werden.

Nervenschmerzen im Rücken: Woher kommen sie?

Nervenschmerzen im Rücken entstehen meist dort, wo die Nervenwurzeln aus dem Rückenmark austreten und zwischen den Wirbeln nach außen ziehen. Dieser Raum ist eng. Ein Bandscheibenvorfall, Verschleißveränderungen der Wirbelgelenke, eine Verengung des Wirbelkanals oder eine Entzündung können auf die Nervenwurzel drücken und sie reizen. Mediziner sprechen dann von einem Wurzelreizsyndrom oder einer Radikulopathie.

Anders als Muskelverspannungen bleiben Nervenschmerzen im Rücken selten lokal. Die Schmerzen strahlen typischerweise entlang des betroffenen Nervs aus:

  • Lendenwirbelsäule: Ausstrahlung ins Gesäß, in die Rückseite oder Außenseite des Oberschenkels, bis in Unterschenkel und Fuß

  • Halswirbelsäule: Ausstrahlung in Schulter, Arm und Finger

  • Brustwirbelsäule: Gürtelförmige Schmerzen um den Brustkorb

Zusätzlich können Kribbeln, Taubheit oder Muskelschwäche im Versorgungsgebiet des Nervs auftreten. Husten, Niesen oder Pressen verstärken die Beschwerden oft, weil der Druck im Wirbelkanal kurzzeitig ansteigt.

Was hilft bei Nervenschmerzen?

Die Behandlung von Nervenschmerzen richtet sich nach ihrer Ursache. Ein eingeklemmter Nerv braucht eine andere Therapie als eine diabetische Polyneuropathie oder eine Post-Zoster-Neuralgie. Deshalb steht am Anfang immer die Frage: Welcher Nerv ist betroffen – und warum?

Wichtig zu wissen: Nervenschmerzen werden anders behandelt als klassische Schmerzen. Herkömmliche Schmerzmittel greifen an der Entzündung im Gewebe an – bei Nervenschmerzen liegt das Problem aber in der Signalverarbeitung des Nervensystems. Die Therapie setzt daher meist auf mehrere Bausteine gleichzeitig.

Behandlung der zugrunde liegenden Ursache

Wo immer möglich, wird zuerst die Ursache behandelt. Bei einer diabetischen Polyneuropathie ist eine gute Blutzuckereinstellung die wichtigste Maßnahme, um ein Fortschreiten zu verhindern. Ein Vitamin-B12-Mangel lässt sich ausgleichen. Bei einer Nervenkompression durch einen Bandscheibenvorfall oder ein Engpasssyndrom kann eine gezielte Entlastung – konservativ oder in manchen Fällen operativ – den Druck vom Nerv nehmen. Bei Gürtelrose ist eine frühzeitige antivirale Behandlung entscheidend, um das Risiko bleibender Nervenschmerzen zu senken.

Medikamente gegen Nervenschmerzen

Für neuropathische Schmerzen kommen spezielle Medikamentengruppen zum Einsatz, die die Erregbarkeit der Nerven dämpfen oder die Schmerzverarbeitung im Rückenmark und Gehirn beeinflussen. Dazu gehören bestimmte Antikonvulsiva (ursprünglich aus der Epilepsiebehandlung) und Antidepressiva in niedriger Dosierung – sie wirken hier nicht gegen eine Depression, sondern direkt auf die Schmerzleitung. Bei lokal begrenzten Nervenschmerzen können auch Pflaster oder Cremes mit Wirkstoffen, die die Nervenenden in der Haut beruhigen, sinnvoll sein.

Welches Medikament passt, hängt von der Ursache, den Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit ab. Die Einstellung erfolgt schrittweise und sollte ärztlich begleitet werden. Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen bei reinen Nervenschmerzen dagegen häufig nur eingeschränkt.

Physiotherapie und Bewegung

Bei vielen Formen von Nervenschmerzen ist gezielte Bewegung ein wichtiger Teil der Behandlung – vor allem, wenn ein Nerv durch Druck oder Fehlbelastung gereizt ist. Physiotherapie kann helfen, den betroffenen Nerv zu entlasten, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die Muskulatur so zu kräftigen, dass sie die Nervenstrukturen besser schützt. Spezielle Nervenmobilisationstechniken zielen darauf ab, die Gleitfähigkeit des Nervs in seinem Verlauf zu verbessern.

Auch bei Polyneuropathie kann Bewegungstherapie unterstützend sinnvoll sein: Gleichgewichts- und Koordinationstraining reduziert das Sturzrisiko, wenn das Gefühl in den Füßen nachlässt. Bei Nervenschmerzen nach Verletzungen oder Operationen hilft Physiotherapie, Bewegungsängste abzubauen und die Funktion schrittweise wieder aufzubauen. In unserer Physiotherapie in Wien stimmen wir die Therapie individuell auf Ursache und Beschwerdebild ab.

Dr. Anna Gschwandtner, Fachärztin für Neurologie in Wien

„Bei Nervenschmerzen lohnt es sich, genau hinzuschauen: Ein Brennen in den Füßen, ein Ziehen ins Bein und ein Kribbeln in der Hand können völlig unterschiedliche Ursachen haben – und brauchen deshalb auch unterschiedliche Behandlungen. Je früher wir wissen, welcher Nerv warum betroffen ist, desto gezielter können wir helfen.“

Dr. Anna Gschwandtner, Fachärztin für Neurologie

Gibt es rezeptfreie Medikamente gegen Nervenschmerzen?

Viele Betroffene suchen zunächst nach einem rezeptfreien Medikament gegen Nervenschmerzen. Die ehrliche Antwort: Für echte neuropathische Schmerzen gibt es kein rezeptfreies Mittel, das zuverlässig wirkt. Übliche Schmerzmittel aus der Apotheke wie Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sind für Entzündungs- und Gewebeschmerzen entwickelt. Bei Nervenschmerzen, die durch eine gestörte Signalverarbeitung entstehen, helfen sie häufig nicht oder nur wenig – und eine dauerhafte Einnahme in hoher Dosierung kann Magen, Nieren und Leber belasten.

Rezeptfrei erhältlich sind Salben oder Pflaster mit Capsaicin (Chili-Wirkstoff), die bei lokal begrenzten Nervenschmerzen die Schmerzrezeptoren in der Haut vorübergehend unempfindlicher machen können. Auch Vitamin-B-Präparate werden häufig angeboten – sie sind aber nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt.

Die Medikamente, die bei Nervenschmerzen nachweislich wirken, sind verschreibungspflichtig und sollten ärztlich eingestellt werden. Wer seit mehr als wenigen Tagen unter brennenden, stechenden oder kribbelnden Schmerzen leidet, ist mit einer Abklärung besser beraten als mit Selbstversuchen.

Welche Hausmittel können bei Nervenschmerzen helfen?

Hausmittel gegen Nervenschmerzen können den Alltag erleichtern und die Beschwerden vorübergehend lindern – eine Nervenschädigung beheben oder eine medizinische Behandlung ersetzen können sie jedoch nicht. Als ergänzende Maßnahmen können sie aber durchaus sinnvoll sein:

  • Wärme oder Kälte: Manche Betroffene empfinden Wärme (Wärmflasche, warmes Fußbad) als lindernd, andere Kälte. Probieren Sie vorsichtig aus, was Ihnen guttut – bei Taubheitsgefühlen besonders auf die Temperatur achten, um Verbrennungen zu vermeiden.

  • Bewegung: Regelmäßiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen fördert die Durchblutung der Nerven und wirkt der Schmerzverarbeitung entgegen. Wichtig ist eine sanfte, gleichmäßige Belastung.

  • Entspannungstechniken: Stress und Anspannung verstärken die Schmerzwahrnehmung. Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, das Nervensystem zu beruhigen.

  • Schlaf: Nervenschmerzen sind nachts oft stärker, gleichzeitig verschlimmert Schlafmangel den Schmerz. Feste Schlafzeiten, ein kühles Schlafzimmer und leichte Bettdecken bei Berührungsempfindlichkeit können helfen.

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend B-Vitaminen unterstützt die Nervenfunktion. Bei Diabetes ist eine stabile Blutzuckereinstellung die wirksamste Maßnahme überhaupt.

  • Alkohol reduzieren: Alkohol schädigt Nerven direkt und sollte bei Nervenschmerzen möglichst gemieden werden.

  • Fußpflege bei Polyneuropathie: Tägliche Kontrolle der Füße, bequeme Schuhe und keine Barfußgänge auf unebenem Boden – bei fehlendem Schmerzempfinden werden kleine Verletzungen sonst leicht übersehen.

Wann sollte man Nervenschmerzen ärztlich abklären lassen?

Nervenschmerzen, die neu auftreten, länger als einige Tage anhalten oder an Intensität zunehmen, sollten ärztlich abgeklärt werden. Der Grund: Je länger ein Nerv geschädigt oder gereizt bleibt, desto größer ist das Risiko, dass sich der Schmerz verselbstständigt und chronisch wird. Eine frühe Diagnose ermöglicht es, die Ursache zu behandeln, bevor bleibende Schäden entstehen.

Diese Begleitsymptome sollten abgeklärt werden

Bestimmte Begleitsymptome deuten darauf hin, dass ein Nerv nicht nur schmerzt, sondern in seiner Funktion beeinträchtigt ist. In diesen Fällen sollten Sie nicht abwarten:

  • Taubheitsgefühle, die neu auftreten oder sich ausbreiten
  • Muskelschwäche, etwa wenn ein Fuß beim Gehen hängen bleibt oder die Hand kraftlos wird
  • Lähmungserscheinungen in Arm oder Bein
  • Gangunsicherheit oder häufiges Stolpern
  • Zunehmende Gefühlsstörungen, zum Beispiel wenn Sie Temperaturen oder Berührungen nicht mehr richtig spüren
  • Starke oder plötzlich auftretende Schmerzen, insbesondere nach einem Unfall

 

Ein Notfall liegt vor, wenn zusätzlich zu Rückenschmerzen und Beinschwäche Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder ein Taubheitsgefühl im Genital- und Gesäßbereich auftreten. Dann sollte umgehend eine Notaufnahme aufgesucht werden.

Wie werden Nervenschmerzen untersucht?

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch: Wo genau tut es weh, wie fühlt sich der Schmerz an, seit wann besteht er, was verstärkt oder lindert ihn? Auch Vorerkrankungen wie Diabetes, eingenommene Medikamente und Alkoholkonsum sind wichtige Hinweise. Bereits aus dieser Anamnese ergibt sich oft ein Verdacht, welcher Nerv betroffen sein könnte.

Es folgt die neurologische Untersuchung. Dabei werden Reflexe, Sensibilität (Berührung, Schmerz, Temperatur, Vibration) und Muskelkraft systematisch geprüft. Das Muster der Ausfälle zeigt, ob ein einzelner Nerv, eine Nervenwurzel oder viele Nerven gleichzeitig betroffen sind.

Je nach Befund kommen weitere Untersuchungen hinzu:

  • Elektroneurographie (ENG): Misst die Leitgeschwindigkeit der Nerven und zeigt, ob und wo ein Nerv geschädigt ist

  • Elektromyographie (EMG): Prüft die elektrische Aktivität der Muskulatur und ergänzt die ENG

  • Blutuntersuchungen: Etwa Blutzucker, Vitamin B12, Schilddrüsenwerte oder Entzündungsparameter

  • Bildgebung: MRT oder CT der Wirbelsäule, wenn ein Bandscheibenvorfall oder eine Wirbelkanalverengung vermutet wird

Fazit

Nervenschmerzen sind ein Warnsignal des Nervensystems und haben viele mögliche Ursachen – von der diabetischen Polyneuropathie über eingeklemmte Nerven bis zum Bandscheibenvorfall. Weil die Behandlung von der Ursache abhängt und klassische Schmerzmittel oft nicht ausreichen, führt der Weg zur Linderung über eine gezielte Diagnose. Wer Brennen, Kribbeln, Taubheit oder ausstrahlende Schmerzen nicht abwartet, sondern abklären lässt, hat die besten Chancen, dass die Beschwerden nicht chronisch werden.

Sie leiden unter Nervenschmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen? In unserer Neurologie in Wien können mögliche Ursachen gezielt abgeklärt und passende Therapieoptionen besprochen werden.

Häufig gestellte Fragen

Nervenschmerzen äußern sich typischerweise als Brennen, Stechen, Kribbeln oder elektrisierende, einschießende Schmerzen. Häufig kommen Taubheitsgefühle oder eine Überempfindlichkeit gegenüber Berührung hinzu. Die Beschwerden treten oft in Ruhe oder nachts verstärkt auf.

Zu den häufigsten Ursachen zählen Diabetes (diabetische Polyneuropathie), eingeklemmte Nerven wie beim Karpaltunnelsyndrom, Bandscheibenvorfälle und andere Wirbelsäulenerkrankungen, Gürtelrose, Verletzungen oder Operationen sowie neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose.

Eine schnelle Lösung gibt es bei Nervenschmerzen leider selten. Kurzfristig können Wärme oder Kälte, Entlastung des betroffenen Nervs und Entspannung lindern. Nachhaltig hilft nur die Behandlung der Ursache in Kombination mit speziell auf Nervenschmerzen abgestimmten Medikamenten und Physiotherapie.

Wärme- oder Kälteanwendungen, regelmäßige Bewegung, Entspannungstechniken, guter Schlaf und eine ausgewogene Ernährung können Nervenschmerzen im Alltag lindern. Hausmittel beheben aber keine Nervenschädigung und ersetzen keine ärztliche Behandlung.

Übliche rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei echten Nervenschmerzen meist nicht ausreichend. Rezeptfrei erhältlich sind Capsaicin-Salben oder -Pflaster für lokal begrenzte Beschwerden. Die wirksamen Medikamente gegen neuropathische Schmerzen sind verschreibungspflichtig.

Häufige Ursachen sind eine Polyneuropathie (meist beidseitig, beginnend an den Füßen), eine Ischialgie durch Bandscheibenvorfall oder Nervenwurzelreizung (meist einseitig, ausstrahlend), eine Spinalkanalstenose oder Engpasssyndrome einzelner Nerven.

Ja. Wird eine Nervenwurzel an der Wirbelsäule durch einen Bandscheibenvorfall, Verschleiß oder eine Verengung des Wirbelkanals gereizt, entstehen Nervenschmerzen, die typischerweise in Gesäß, Bein oder Arm ausstrahlen und von Kribbeln oder Taubheit begleitet sein können.

Erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein. Für die gezielte Abklärung ist die Neurologie zuständig: Neurologinnen und Neurologen können mit neurologischer Untersuchung und Nervenmessung (ENG/EMG) feststellen, welcher Nerv betroffen ist und warum. Bei Ursachen an der Wirbelsäule wird häufig zusätzlich orthopädisch mitbehandelt.

Über den Autor

Picture of Peter Andrukonis
Peter Andrukonis
Peter arbeitet sehr präzise und analytisch und ist stets offen dafür, neue Methoden oder Alternativen bei der Behandlung seiner Patienten zu erproben. Er vertritt die Auffassung, dass jeder Mensch individuell ist und dementsprechend maßgeschneiderte Therapiemaßnahmen benötigt. Durch das Verständnis für den eigenen Körper, Bewegungsabläufe, Bewegungsmuster und physiologische Prozesse, die im Körper stattfinden, bemüht sich Peter, seinen Patienten ein Bewusstsein und Verständnis für ihren eigenen Körper zu vermitteln, damit sie nicht nur therapiert werden, sondern aktiv an ihrer Therapie mitwirken können.

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