
Drehschwindel
Drehschwindel fühlt sich an, als würde sich die Umgebung um einen selbst drehen – wie nach einer Karussellfahrt, nur ohne
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Fast jeder kennt es: Beim schnellen Aufstehen wird einem plötzlich schwindelig oder kurz schwarz vor Augen. Häufig steckt ein kurzfristiger Blutdruckabfall dahinter, der meist harmlos ist. Tritt der Schwindel jedoch regelmäßig auf, können auch andere Ursachen eine Rolle spielen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was dahinterstecken kann und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Im Liegen und Sitzen verteilt sich das Blut im Körper anders als im Stehen. Richtet man sich auf, folgt rund ein halber Liter Blut kurzfristig der Schwerkraft und sackt in Beine und Bauchraum ab. Der Rückfluss zum Herzen sinkt, das Herz kann in diesem Moment weniger Blut auswerfen – der Blutdruck fällt ab.
Normalerweise reagiert der Körper darauf innerhalb von Sekunden: Druckfühler (Barorezeptoren) in den Halsschlagadern melden den Abfall, das vegetative Nervensystem steigert Herzfrequenz und Gefäßspannung, der Blutdruck stabilisiert sich. Läuft diese Regulation zu langsam oder zu schwach ab, wird das Gehirn für kurze Zeit schlechter durchblutet. Die Folge ist genau jenes Schwindelgefühl beim Aufstehen: Benommenheit, Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen, manchmal Ohrensausen oder Übelkeit. Fachlich spricht man von einer orthostatischen Dysregulation, bei ausgeprägtem Blutdruckabfall von orthostatischer Hypotonie.
Wichtig zur Einordnung: Diese Form des Schwindels ist ein Kreislaufphänomen und fühlt sich anders an als Drehschwindel, bei dem die Umgebung wie bei einem Karussell zu rotieren scheint.
„Kurzer Schwindel nach dem Aufstehen ist in den meisten Fällen ein Kreislaufthema und harmlos. Aufmerksam werden wir, wenn der Schwindel häufiger auftritt, länger anhält oder von Symptomen wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Gefühlsstörungen begleitet wird. Dann klären wir gezielt ab, ob eine neurologische Ursache dahintersteckt.“
Schwindel nach dem Aufstehen ist ein Symptom, keine Diagnose. Die möglichen Ursachen reichen von völlig harmlosen Alltagsfaktoren bis zu behandlungsbedürftigen Erkrankungen. Die folgenden Auslöser kommen am häufigsten infrage.
Die häufigste Ursache ist ein niedriger oder zu langsam reagierender Blutdruck. Besonders betroffen sind schlanke, junge Menschen mit ohnehin niedrigen Blutdruckwerten sowie ältere Menschen, bei denen die Gefäßregulation altersbedingt träger arbeitet. Auch nach längerem Sitzen, in der Schwangerschaft oder nach einem Infekt ist die Kreislaufregulation oft vorübergehend beeinträchtigt.
Wer zu wenig trinkt, hat weniger zirkulierendes Blutvolumen – der Blutdruck fällt beim Aufstehen stärker ab. Dasselbe gilt bei starkem Schwitzen, Hitze, Fieber, Durchfall oder Erbrechen. Auch mehrtägige Bettruhe führt dazu, dass der Kreislauf das Aufrichten regelrecht „verlernt“: Nach längerem Liegen tritt Schwindel beim Aufstehen deutlich häufiger auf.
Zahlreiche Medikamente können den Blutdruck senken oder die Gegenregulation dämpfen – etwa Blutdruckmedikamente, Entwässerungsmittel (Diuretika), Prostatamedikamente, Antidepressiva, Parkinsonmedikamente oder Beruhigungsmittel. Tritt Schwindel nach dem Aufstehen erstmals nach einer neuen Verordnung oder Dosisanpassung auf, sollte das mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Medikamente bitte niemals eigenständig absetzen.
Auch das Herz selbst kann die Ursache sein: Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, eine Herzschwäche oder eine ausgeprägte Blutarmut (Anämie) führen dazu, dass das Gehirn beim Aufstehen nicht ausreichend durchblutet wird. Typische Warnhinweise sind Schwindel mit Herzstolpern, Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmachtsanfällen.
Die Blutdruckregulation wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Erkrankungen, die dieses System betreffen – etwa eine Polyneuropathie (häufig bei langjährigem Diabetes), ein Morbus Parkinson oder seltenere neurodegenerative Erkrankungen –, können deshalb zu ausgeprägtem Schwindel beim Aufstehen führen. Auch nach einer Gehirnerschütterung oder bei Migräne tritt Schwindel gehäuft auf.
Fühlt sich der Schwindel weniger nach Benommenheit und mehr nach Drehen an, liegt der Ursprung oft im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs. Der gutartige Lagerungsschwindel etwa wird typischerweise durch Aufrichten, Hinlegen oder Umdrehen im Bett ausgelöst und dauert wenige Sekunden bis Minuten. Weitere mögliche Ursachen sind eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs oder ein Morbus Menière.
Schwindel beim Bücken wird oft mit Schwindel beim Aufstehen in einen Topf geworfen – die Auslöser sind aber nicht zwingend dieselben. Beim Bücken steigt der Druck im Bauch- und Brustraum kurzfristig an, beim raschen Wiederaufrichten kommt zusätzlich der Lagewechsel dazu. Wer über Schwindel beim Aufstehen und Bücken berichtet, hat deshalb häufig eine Kombination aus Kreislaufregulation und Lageveränderung als Ursache.
Typische Ursachen für Schwindelgefühle beim Bücken:
Grundsätzlich gilt: Tritt der Schwindel beim Bücken regelmäßig, sehr heftig oder mit Übelkeit und Erbrechen auf, sollte die Ursache ärztlich geklärt werden.
Wie sich der Schwindel anfühlt, wie lange er dauert und wodurch er ausgelöst wird, liefert die wichtigsten Hinweise auf die Ursache. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung – sie ersetzt keine Diagnose.
Merkmal | Kreislaufschwindel (orthostatisch) | Drehschwindel | Lagerungsschwindel |
Empfinden | Benommenheit, „schwarz vor Augen“, Leere im Kopf | Umgebung dreht sich wie im Karussell | Kurze, heftige Drehattacke |
Auslöser | Aufstehen aus Liegen/Sitzen, langes Stehen, Hitze | Je nach Ursache spontan oder anhaltend | Hinlegen, Umdrehen im Bett, Kopf beugen/heben |
Dauer | Sekunden bis ca. 1 Minute | Minuten bis Stunden, teils Tage | Meist 10–60 Sekunden pro Attacke |
Begleitsymptome | Blässe, Schwitzen, Ohrensausen, Ohnmachtsneigung | Übelkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit, Augenzittern | Übelkeit, kurzzeitige Unsicherheit |
Häufige Ursache | Blutdruckabfall, Flüssigkeitsmangel, Medikamente | Gleichgewichtsnerv, Innenohr, neurologische Ursachen | Ohrsteinchen im Bogengang |
Im Akutfall zählt vor allem eines: Stürze vermeiden. Die folgenden Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen und ersetzen keine ärztliche Abklärung der Ursache.
Ein kurzes Schwindelgefühl nach zu schnellem Aufstehen ist in der Regel unbedenklich. Abklärungsbedürftig wird Schwindel dann, wenn er neu auftritt, sich häuft, stärker oder länger wird oder den Alltag einschränkt. Auch wer bereits gestürzt ist oder das Bewusstsein verloren hat, sollte die Ursache nicht auf sich beruhen lassen. Gleiches gilt, wenn der Schwindel zeitlich mit einem neuen Medikament zusammenfällt oder gemeinsam mit Herzbeschwerden auftritt.
Bei den folgenden Symptomen in Kombination mit Schwindel besteht der Verdacht auf eine ernsthafte, teils akut behandlungsbedürftige Ursache. Wählen Sie in diesen Fällen sofort den Notruf 144 (in Österreich) bzw. 112:
Je genauer Sie Ihre Beschwerden beschreiben können, desto zielgerichteter kann die Diagnostik erfolgen. Hilfreich ist es, sich vorab folgende Fragen zu überlegen – gerne auch in Form eines kurzen Schwindeltagebuchs:
Am Anfang steht immer das ausführliche Gespräch (Anamnese): Art, Dauer, Auslöser und Begleitsymptome des Schwindels grenzen die möglichen Ursachen oft bereits deutlich ein. Anschließend folgen je nach Verdacht:
Es gibt nicht „die eine Behandlung gegen Schwindel“. Die Therapie richtet sich immer nach der festgestellten Ursache – deshalb ist die Abklärung der wichtigste Schritt. Grundsätzlich lassen sich drei Behandlungsrichtungen unterscheiden.
Im Vordergrund stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen: ausreichend trinken, ausgewogene Salzzufuhr (sofern ärztlich nicht anders empfohlen), Kreislauftraining, Wechselduschen, Kompressionsstrümpfe sowie das bewusste, zweistufige Aufstehen. Wird eine Medikamentennebenwirkung als Auslöser erkannt, kann die Ärztin oder der Arzt Dosis oder Präparat anpassen. Nur in ausgeprägten Fällen kommen kreislaufstützende Medikamente zum Einsatz.
Beim gutartigen Lagerungsschwindel sind gezielte Befreiungsmanöver (z. B. nach Epley oder Semont) das Mittel der Wahl. Dabei werden die verlagerten Ohrsteinchen durch definierte Kopf- und Körperbewegungen aus dem betroffenen Bogengang zurückbefördert. Voraussetzung ist, dass zuvor festgestellt wurde, welcher Bogengang betroffen ist – deshalb sollten die Manöver zunächst fachkundig angeleitet werden.
Liegt dem Schwindel eine neurologische Erkrankung, eine Herzerkrankung oder eine Stoffwechselstörung zugrunde, steht deren gezielte Behandlung im Mittelpunkt. Ergänzend hat sich vestibuläre Rehabilitation bewährt: In der Physiotherapie werden Gleichgewicht, Blickstabilisation, Koordination und Gangsicherheit gezielt trainiert – individuell angepasst an Befund und Belastbarkeit. Bei Beteiligung der Halswirbelsäule ergänzen manuelle Therapie und Übungen zur Nackenmuskulatur das Programm.
Kurzer Schwindel beim Aufstehen ist meist ein harmloses Kreislaufphänomen: Der Blutdruck braucht einen Moment, um sich an die neue Position anzupassen. Langsames Aufstehen, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung reichen dann oft schon aus. Aufmerksam werden sollte man, wenn der Schwindel neu auftritt, häufiger oder stärker wird, zu Stürzen führt oder von Symptomen wie Sehstörungen, Taubheitsgefühlen, Sprachstörungen, Hörverlust oder Herzbeschwerden begleitet wird. Dann lohnt sich eine strukturierte Abklärung – denn je genauer die Ursache benannt ist, desto gezielter lässt sich behandeln.
Sie leiden wiederholt unter Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen? In unserer Neurologie in Wien können mögliche neurologische Ursachen gezielt abgeklärt werden.
Beim raschen Aufrichten sackt Blut in die Beine, der Blutdruck fällt kurz ab und das Gehirn wird für wenige Sekunden schlechter durchblutet. Reagiert die Kreislaufregulation zu langsam, entsteht Benommenheit oder Schwarzwerden vor den Augen. Häufige Verstärker sind Flüssigkeitsmangel, Hitze, Alkohol, längere Bettruhe und bestimmte Medikamente.
Kreislaufbedingter Schwindel klingt typischerweise innerhalb weniger Sekunden bis etwa einer Minute wieder ab, sobald sich der Blutdruck stabilisiert hat. Hält der Schwindel länger an, tritt er in Ruhe auf oder dreht sich die Umgebung minutenlang, spricht das für eine andere Ursache und sollte abgeklärt werden.
Nach mehreren Stunden im Liegen ist der Kreislauf auf die waagrechte Position eingestellt, zusätzlich ist der Flüssigkeitshaushalt am Morgen oft niedrig. Beides begünstigt einen Blutdruckabfall beim Aufstehen. Hilfreich sind ein Glas Wasser vor dem Aufstehen, Fuß- und Wadenbewegungen im Bett und ein zweistufiges Aufstehen über die Bettkante.
Beim Bücken und raschen Wiederaufrichten kommen Druckveränderungen im Brust- und Bauchraum und ein Lagewechsel zusammen. Neben Kreislaufursachen kommt vor allem der gutartige Lagerungsschwindel infrage, bei dem das Kopfvorbeugen eine kurze, heftige Drehattacke auslöst. Auch Verspannungen der Halswirbelsäule oder ein Infekt der Nasennebenhöhlen können beitragen.
Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt – dort erfolgen Basisuntersuchung, Blutdruckmessung im Liegen und Stehen sowie Labor und EKG. Je nach Verdacht folgt die Überweisung zur Neurologie (bei Verdacht auf neurologische Ursachen), HNO (Innenohr, Gleichgewichtsorgan) oder Kardiologie (Herz-Kreislauf). Bei akuten Warnzeichen wie Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen ist sofort der Notruf zu wählen.

Drehschwindel fühlt sich an, als würde sich die Umgebung um einen selbst drehen – wie nach einer Karussellfahrt, nur ohne

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