Kreuzbandriss

Ein Kreuzbandriss ist eine Verletzung des Kniegelenks, bei der eines der Kreuzbänder – häufig das vordere Kreuzband (ACL) – reißt. Dies führt oft zu Schmerzen, Schwellungen und Instabilität im Knie. Ursachen sind meist sportliche Aktivitäten mit plötzlichen Stopps oder Richtungswechseln. Die Behandlung umfasst Physiotherapie und/ oder Chirurgie.
Physiotherapie bei Kreuzbandriss

Ursachen eines Kreuzbandrisses: Risikofaktoren und Auslöser

  1. Plötzliche Stoppbewegungen: Schnelles Anhalten oder abrupte Richtungswechsel, wie sie oft in Sportarten wie Fußball, Basketball oder Ski fahren vorkommen.

  2. Direkte Krafteinwirkung: Ein direkter Schlag auf das Knie, etwa beim American Football oder beim Rugby, kann zu einem Kreuzbandriss führen.

  3. Ungewöhnliche Kniebewegungen: Verdrehungen des Knies bei feststehendem Fuß, besonders wenn das Knie nach innen geknickt ist, können das Kreuzband übermäßig belasten und zum Riss führen.

  4. Landung aus der Sprungbewegung: Unsachgemäße Landung nach einem Sprung, besonders wenn das Knie durchgestreckt und zur Seite gedreht ist, kann das Kreuzband überdehnen oder zerreißen.

  5. Übermäßige Überstreckung: Ein zu starkes Strecken des Knies über seine normale Bewegungsgrenze hinaus kann zu einem Kreuzbandriss führen.

  6. Kombinationsverletzungen: Ein Kreuzbandriss tritt häufig in Verbindung mit anderen Knieverletzungen auf, wie zum Beispiel Verletzungen des Meniskus oder der anderen Bänder im Knie.

Kennzeichen und Symptome eines Kreuzbandrisses

  1. Hörbares Knacken oder Pochen: Viele Betroffene berichten von einem hörbaren ‚Knall‘ oder ‚Reißen‘ im Moment der Verletzung.

  2. Starke Schmerzen: Unmittelbar nach der Verletzung tritt oft ein intensiver Schmerz auf, der die Fortbewegung erschwert oder unmöglich macht.

  3. Schwellung: Innerhalb weniger Stunden nach der Verletzung kann es zu einer deutlichen Schwellung im Kniebereich kommen.

  4. Instabilitätsgefühl: Das Gefühl, dass das Knie ‚wegsackt‘ oder nicht das volle Körpergewicht tragen kann, besonders beim Gehen oder bei Drehbewegungen.

  5. Bewegungseinschränkung: Das Knie kann sich steif anfühlen, und es kann schwierig sein, es vollständig zu beugen oder zu strecken.

  6. Druckschmerz: Schmerzen bei Druck im Bereich des betroffenen Kreuzbandes an der Vorderseite des Knies.

Physiotherapeutische Rehabilitation nach einem Kreuzbandriss

Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Rehabilitation nach einem Kreuzbandriss, unabhängig davon, ob die Behandlung konservativ oder operativ ist. Die Ziele der Physiotherapie umfassen die Wiederherstellung der Funktion, die Stärkung der Muskulatur und die Förderung der Heilung. Hier sind Schlüsselelemente der Physiotherapie bei einem Kreuzbandriss:

  1. Frühe Phase (Akutphase):

    • Schmerz- und Schwellungsmanagement durch Kältetherapie, Kompression und Hochlagerung.
    • Erhaltung des Bewegungsumfangs durch passive und assistierte Bewegungsübungen.
    • Schutz des verletzten Knies durch Vermeidung belastender Aktivitäten und ggf. Nutzung von Gehhilfen.
  2. Mittlere Phase (Reparaturphase):

    • Stärkung der umgebenden Muskulatur, insbesondere der Oberschenkelmuskeln (Quadrizeps und Hamstrings), um das Knie zu stabilisieren und zu entlasten.
    • Fortsetzung der Bewegungsübungen zur Verbesserung der Flexibilität und des Bewegungsumfangs.
    • Einführung von propriozeptiven Übungen zur Verbesserung der Kniekontrolle und -koordination.
  3. Späte Phase (Remodellierungsphase):

    • Fortgeschrittene Kraft- und Stabilitätsübungen, einschließlich der Rückkehr zu sportartspezifischen Aktivitäten.
    • Fortsetzung der propriozeptiven und Gleichgewichtsübungen zur weiteren Verbesserung der Kniestabilität.
    • Allmähliche Steigerung der Belastung und Intensität der Übungen unter Berücksichtigung der Heilungsfortschritte und Schmerzgrenzen.
  4. Prävention und langfristige Pflege:

    • Aufklärung über Risikofaktoren und Präventionsstrategien zur Vermeidung zukünftiger Verletzungen.
    • Entwicklung eines individuellen Trainingsplans zur Aufrechterhaltung der Kniestabilität und Gesundheit.

Orthopädische Behandlungsstrategien bei einem Kreuzbandriss

Die orthopädische Behandlung eines Kreuzbandrisses variiert je nach Schweregrad der Verletzung, dem Aktivitätsniveau des Patienten und dessen individuellen Zielen. Hier sind die Hauptkomponenten einer solchen Behandlung:

  1. Operative Behandlung:

    • Kreuzbandrekonstruktion: Bei aktiven Individuen oder bei Instabilität des Knies kann eine Operation erforderlich sein, um das gerissene Kreuzband durch ein Transplantat (z.B. aus der Patellasehne oder der Hamstring-Sehne) zu ersetzen.
    • Nachsorge: Postoperative Physiotherapie ist entscheidend für den Erfolg der Operation und umfasst Bewegungsübungen, Krafttraining, Propriozeptionstraining und schließlich die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten.
  2. Medikamentöse Behandlung:

    • Schmerzmanagement: Einsatz von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
  3. Präventive Maßnahmen und Aufklärung:

    • Vermeidung von Risikoaktivitäten: Beratung zu Verhaltensänderungen, um das Risiko zukünftiger Verletzungen zu minimieren.
    • Aufklärung über Rehabilitationsprozess: Verständnis der Heilungsphasen und der Bedeutung der Compliance mit dem Rehabilitationsprogramm.

Über den Autor

Peter Andrukonis
Peter Andrukonis
Peter arbeitet sehr präzise und analytisch und ist stets offen dafür, neue Methoden oder Alternativen bei der Behandlung seiner Patienten zu erproben. Er vertritt die Auffassung, dass jeder Mensch individuell ist und dementsprechend maßgeschneiderte Therapiemaßnahmen benötigt. Durch das Verständnis für den eigenen Körper, Bewegungsabläufe, Bewegungsmuster und physiologische Prozesse, die im Körper stattfinden, bemüht sich Peter, seinen Patienten ein Bewusstsein und Verständnis für ihren eigenen Körper zu vermitteln, damit sie nicht nur therapiert werden, sondern aktiv an ihrer Therapie mitwirken können.

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